Presse

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Eröffnung 7 Slim Fashion

Vor fast einem Jahr machte Mustafa Dag das Team vom Kreativ.Quartier Herten auf die außergewöhnlichen Talente seiner neuen Mieter aufmerksam.

Immer auf der Suche nach neuen kreativen Köpfen zur Stärkung des Kreativ.Quartiers nahmen wir schnell Kontakt auf und fanden viele junge Leute vor, die mehr oder weniger lange ihren Weg aus dem vom Krieg gebeutelten Syrien bis zu uns gefunden hatten.

Dank Parwin Rashid, die schon so lange hier lebt, dass sie die deutsche Staatsbürgerschaft hat und fließend unsere Sprache spricht, und ihrem Mann Mahmood, der im Anfang wenig deutsch konnte und sich heute gut verständlich machen kann, erfuhren wir die Geschichte der Familie Al Salim.

In Damaskus leitete Sajeda Ismail, Mutter von 13 Kindern ein Modedesign Unternehmen, in dem 40 Leute vom Designer bis zum Schneider Arbeit hatten. Der Krieg ließ sie das Land verlassen und ihr gesamtes Hab und Gut aufgeben.

Über die Türkei, in der die Eltern mit ihrem ältesten Sohn blieben, der dort auch ein Modeunternehmen aufgebaut hat, kam erst Mahmood der Liebe wegen und dann Alan, Jwan, Azad, Jihan, Shikha und Sarah, nach Deutschland.

Zunächst in Kiel lebend wechselten sie ins Ruhrgebiet, in dem als ewigem Einwanderungsland die Nachbarn netter waren.

Die Brüder, die von Kindesbeinen an an der Nähmaschine saßen oder ihre Modeentwürfe mangels Papier an Hauswände skizzierten, waren hier ohne Arbeit, ohne Sprachkurs und ihr Tag hatte wenig Struktur. Aus einer Familie stammend, in der alle durch Leistung zum gemeinsamen Leben beitrugen, war die Not und der Gesichtsverlust, auf staatliche Hilfe angewiesen zu sein, ebenso groß, wie die Mühe, Tag für Tag zur Untätigkeit verdammt zu sein. Junge Menschen, die ihre Kultur, ihre Heimat, ihren Wohlstand verlassen mussten, um ihr Leben zu retten waren hier „zu nichts Nutze“. Lächeln sah man sie nur, wenn sie einem Bilder der Mode zeigten, die ihr Werk war.

Mit großartiger Unterstützung des Jobcenters, der Ausländerbehörde, der Handwerkskammer konnte der Aufenthaltsstatus für jedes Familienmitglied und damit die Möglichkeit für eine Arbeitserlaubnis geklärt werden.

Alle Brüder hatten keine Schwierigkeiten damit, Parwin als kaufmännische Chefin und Inhaberin des neuen Unternehmens anzuerkennen, da durch die großzügige Spende eines Gelsenkirchener Unternehmers Näh- und Bügelmaschinen in die Wohnung von Parwin und Mahmood kamen, die ihnen eine neue Aufgabe versprachen.

Der Weg durch den Dschungel von Genehmigungen, Formularen und Finanzen überforderte uns schnell, so dass eine Fachfrau heran musste, Sieglinde Graf, die versprach, das Unternehmen so lange ehrenamtlich zu unterstützen, bis sie täglich 20 Kleider verkaufen und in Euros schwimmen.

Frau Graf adoptierte die Großfamilie und die Familie sie. Gewerbeanmeldung, Steuernummer, und alle behördlich administrativen Hürden wurden von ihr aus dem Wege geräumt für ein Glas Tee und ein erstes Lächeln.

Herr Panteleit kam mit den Abendmärkten und die junge Firma verkaufte dort und auf allen Weihnachtsmärkten ihre individuellen Taschen für jeden Geldbeutel.

Bis das einzige Auto der Großfamilie, was sie sich jeweils von einem Schwager leihen mussten, den Geist aufgab und wieder Nichtstun und Hoffnungslosigkeit einkehrte im Wohnzimmer von Parwin zwischen Stoffbergen, die sie aus den Erlösen ihres Taschenverkaufs erworben hatten.

Über einen Förderantrag zur individuellen Künstlerförderung des Ministeriums für Kultur NRW kamen Fördergelder, die neben einem alten gebrauchten Kombi auch noch die Anschaffung eines schönen kleinen Marktstandes erlaubten. Taschen Nähen war wieder angesagt. Doch ist ein Täschchen für die erfahrenen Profis weder eine gestalterische noch eine handwerkliche Herausforderung und 4 Familien können auch nicht davon ernährt werden.

Der Traum vom eigenen Geschäft lag in der Luft. Die Brüder machten sich im Quartier auf die Socken und besichtigten die wenigen Leerstände an der Ewaldstraße und kamen mit dem Hauseigentümer der Ewaldstraße 75 schnell überein für die Sanierung dieses Ladenlokals eine mietfreie Zeit und später eine moderate Pacht festzulegen.

Ab Januar konnten die Al Salims nun morgens zur Arbeit gehen. Neben den 4 Modemachern unter ihnen konnten nun der bauhandwerklich geschulten Fachmann und Bruder Hekmat sein Können beweisen und schuf aus einem tristen vernachlässigten Ladenlokal in ein paar Wochen dieses Modestudio mit Strom und Licht, Einbauschränken und Umkleidekabine und den Räumen fürs Handwerk mit den Nähmaschinen und dem großen Schneidetisch und einer Zeichenecke für die Entwürfe, alles durchgestylt in einem einheitlichen Design.

Und Parwin war wieder Herrin ihrer Wohnung, was sie nicht ruhen ließ. Neben dem Taschenverkauf auf den Märkten des Ruhrgebietes lernt sie beim Jobcenter alle kaufmännischen Dinge, um die Firma wirtschaftlich managen zu können.

Ganz nebenbei macht Mahmood einen Führerschein, um seine Frau zu entlasten, Alan lernt Deutsch auch ohne Sprachkurs und Jwan, der Künstler unter ihnen malt seine ergreifenden Bilder, mit denen er die Kriegs- und Fluchterlebnisse verarbeitet. Schwestern und Schwägerinnen der Großfamilie kümmern sich neben ihren eigenen Kindern auch um die 2 jährige Ritaj des Unternehmerpaares Parwin und Mahmood. Die jüngste Schwester Sarah, in Damaskus Gymnasiastin, macht hier gerade ihren Hauptschulabschluss um dann mit einem deutschen Abitur ihren Traum von dem Studium der Architektur zu verwirklichen. Alle haben eine Aufgabe und in die Familie ist ein Lächeln eingezogen.

Sieglinde Graf lässt ihre Beziehungen spielen, bindet unseren Star Coiffeur Almir Bajrami , das bekannte Model Nina Bauer und viele andere ein, die schnell bereit sind, die Al Salims mit zu unterstützen. Christian Stratmann als Vorsitzender des Kreativ.Netzwerkes Herten bietet ebenfalls seine Hilfe und Kontakte an. ART.62 bindet das junge Unternehmen in ein Großevent im Herbst in Witten ein.

Für eine im Herbst geplante große Modenschau im Kreativ.Quartier Herten werden erste Roben entworfen und genäht aus Stoffen, die sie günstig oder auch geschenkt bekommen. Der Bruder aus der Türkei schickt Strass, Perlen und Pailletten und alles was die Träume aus tausend und einer Nacht ausmacht.

Mit diesen Träumen fand vor zwei Wochen ein Fotoshooting mit Nina Bauer statt, von dem die Bild berichtete. RTL rief an, um ein zweites Shooting zeitnah zu filmen. Nina trägt die Mode von 7 Slim zu Drehterminen, Frauenzeitschriften werden aufmerksam, andere Models bitten um Leihgaben für Auftritte.

Erste Aufträge für ein Abi Ballkleid und andere Garderobe sind eingegangen. Es geht voran.

Da das Unternehmen 4 Familien ernähren soll, der Baubruder Hekmat sucht noch Aufträge für seinen Bereich – müssen Kunden über das Internet etc. gefunden werden. Die Internetseite und den Facebook Auftritt von 7 Slim Fashion spendiert die Mediendesignerin Manuela Potthast dem Unternehmen.

Das Team des Kreativquartiers vernetzt das Unternehmen mit der Modebranche im nördlichen Ruhrgebiet und sieht es als eine seiner Aufgaben an, hier – wo junge Menschen aus aller Welt leben – ein Zentrum für junge Mode aus aller Welt entstehen zu lassen.

Wir wünschen 7 Slim Fashion viel Erfolg!